Reise in die Vergangenheit - Teil 1

Die immer wiederkehrende Arbeit im Archiv ist das Sichten des Dokumentes, gefolgt vom Durchlesen des Textes, Zuordnen nach der Archivsystematik in Kategorien und dann Ablegen in dem entsprechenden Karton zur späteren Wiederfindung. Eigentlich nichts Ungewöhnliches oder besonders Anspruchsvolles – meint man. Doch da - eine DIN-A-4-große Fotokopie eines Stempels oder Siegels. Auf dem Blatt sind keine weiteren Angaben zu finden. Kein Hinweis auf die Quelle, die Herkunft oder etwa die Darstellung. Auch rückseitig kein Vermerk. In den Schriftstücken davor und danach auch keine Aufzeichnung bzw. kein Bezug zum Motiv und Text. Die Spurensuche beginnt. Zum besseren Verständnis hier nun die Abbildung des Unbekannten. Die Inschrift linksseitig: K I R C D O R F kann man noch gut lesen. Dabei fällt sofort auf, dass der Buchstabe „ H „ fehlt. Ein Versehen oder vielleicht doch so richtig? Der andere Schriftzug lässt nur Vermutungen zu. Ist das der Buchstabe „ X „ oder doch ein „ Y“. Es könnte auch ein „ Z „ sein. Fragen, Fragen ohne Antworten. Die Schriftfragmente sind durchsetzt mit vielen Punkten, lassen eine schnelle, korrekte und sinnvolle Deutung nicht zu. Befassen wir uns also mit der Person. Eventuell lassen sich da Rückschlüsse von der Person auf den Text schließen und umgekehrt. Was stellt die Person eigentlich dar – eine weltliche oder christliche Person? Nach der Kleidung könnte es eine christliche Person in Form eines Pfarrers sein. Doch passen der Hut / Zylinder und die Gegenstände in den Händen nicht so wirklich dazu. Ein Pfarrer mit einem Knochen – undenkbar und wahrhaftig kein christliches Motiv. In der anderen Hand ein Pfeil oder Griffel oder Malstift oder? Es hilft nicht richtig weiter. Ich komme zum Entschluss – ohne Verständnis der Inschrift ist die Figur kaum zu interpretieren, doch ohne die Figur wird sich die Inschrift wohl nicht entziffern lassen. Ein Teufelskreis!

Reise in die Vergangenheit - Teil 2

In der 8. Ausgabe des Mitteilungsblattes Hünfelden baten wir vom Archiv die Leser um Mithilfe bei der Klärung eines unbekannten Siegels. Unklar ist die 2. Inschrift auf der rechten Seite sowie die Darstellung der Person in der Mitte mit den beiden Gegenständen in den Händen. Hier nun die Hinweise der Leser: zur 2. Inschrift: WIENFRIT - WIEGAMT - WDE???T - WDEG??AT - WBE??IT zur Person: Pfarrer - Totengräber - heilige Person - Bestatter zur Kopfbedeckung: es muß nicht zwingend ein Hut oder Zylinder sein. Möglich wäre auch die Durchführung des Siegelbandes oberhalb des Kopfes und Wiederaustritt am oberen Ende des Siegels zur deren Stabilisierung (kein Verrutschen). zum Griffel: eventuell ein Zepter mit Kreuz zum Knochen: möglicherweise ein Kelch Zusammenfassung: Da nicht bekannt und gesichert ist, wie präzise die Kopie vom Original wiedergegeben wurde, sind grobe Ungenauigkeiten bei der Darstellung vorhanden. Auf Wusch wird das unbekannte Siegel nochmals abgebildet. Wir sind auch weiterhin für jeden Hinweis dankbar und freuen uns auf jede Zuschrift. Unabhängig davon kontaktierte ich den freischaffenden Historiker Jan H. Sacher von der Zeitschrift „Karfunkel“ Erlebbares Mittelalter. Von ihm folgendes zur 2. Inschrift: Da nicht einmal fest steht, ob es sich um einen Namen, ein Wort (Deutsch oder Latein?), mehrere Worte oder nur um Abkürzungen bzw. Akronyme handelt, sind diese Überreste kaum verlässlich zu interpretieren. Sollte es sich beim 2. Buchstaben z.B. um ein „D" handeln, wäre „DEO" denkbar. 3 und 4 könnten aber auch „EC" für ecclesia = Kirche darstellen. Ich lasse die 2. Inschrift erst einmal „ruhen“ und wende mich der Inschrift „Kircdorf“ zu. Nach langen Recherchen im Internet und im Staatsarchiv finde ich dann doch genaue Angaben zum Ort. Die Schreibweise „KIRCDORF“ ohne „H“ war eine alte Ortsbezeichnung vom Jahre 1217 bis 1283. Von 1283 bis 1355 (Stadtgründung) änderte sich der Name Kircdorf jetzt in das „K I R C H D O R F“ mit einem „H“. Aus Kirchdorf entstand nach der Stadtgründung der Name Kirburg, das spätere Kirberg. Die Inschrift linkseitig ist damit schon mal geklärt. Das ergibt jedoch noch keinen Hinweis auf die Person oder den Schriftzug rechts. Sollte es sich bei der Figur um eine weltliche Person handeln, wäre ein Handwerk oder eine Zunft möglich. Die Motive in den Händen lassen auf einen Totengräber schließen. Dieser Beruf war aber im frühen Mittelalter und danach ein unehrenhafter Beruf und in der Gesellschaft nicht angesehen. Bei Handwerkersiegeln werden i.d.R. keine Personen dargestellt, sondern nur Werkzeuge oder Symbole. Der Handwerker hatte neben dem Siegel sein Zunftzeichen in Form eines Handwerkermotives. Personen wurden im Zunftzeichen nicht abgebildet. Damit scheidet ein Handwerker oder Handwerk aus. Beispiel für ein Zunft- oder Handwerkerzeichen (hier: Schumacher mit Symbol Stiefel und Halbmondmesser). Andere weltliche Person wie Könige, Grafen, Landesherren usw. besaßen zwar ein Siegel. Dieses beinhaltete in der Regel ihr Wappen und den Namen sowie den Titel, jedoch nicht die Abbildung einer Person. Die Person in der Fotokopie sieht auch wirklich nicht wie ein Angehöriger einer angesehenen Adelsfamilie aus Bleibt also nur die christliche Variante übrig.

Reise in die Vergangenheit - Teil 3

Zum Bericht Teil 2 im Mitteilungsblatt der Gemeinde Hünfelden kamen wieder Mails mit Tipps und Info's zum unbekannten Siegel. Desweiteren gab es aufschlussreiche Gespräche interressierter Bürgerinnen und Bürger beim Höfe-Flohmarkt am Sonntag den 17. April. „Durchschlagende“ Hinweise mit dem letztendlich die zweite Inschrift und damit das Geheimnis des Siegels gelöst werden konnte, waren in den Mails und bei den Gesprächen leider noch nicht enthalten. Ich gebe die Hoffnung nicht (sie stirbt bekanntlich zu letzt) und forsche erstmal weiter. Nach Recherche zur * Inschrift KIRCDORF und * der Person mit seinen Attributen in der Hand komme ich vielleicht mit der Nachforschung * zum Siegel selbst * über die Siegellehre, * der Siegelkunde und * die Berechtigung der Siegelführung weiter – und „mache“ mich an die Arbeit. Hier das Ergebnis. Das Siegel gleicht in seiner Form dem typischen Kirchensiegel einer kirchlich höher gestellten Person des frühen Mittelalters. Die ovale Form, die Art des Gewandes sowie die Abbildung der Attribute (in den Händen haltend) bestätigen diesen Eindruck. Beim historischen Verein für Archifakte, der sich unter anderem auch mit altertümlichen Siegeln befasst, konnte ich einen Kontakt zu einem freischaffenden Historiker herstellen. Er antwortete mir schriftlich: „Das ovale Motiv mit seinen abgerundeten Ecken an den Enden des Siegels ähnelt typischen Bischofssiegeln, insbesondere des 12. bis 13. Jahrhundert, doch erscheint die Kopfbedeckung ein wenig ungewöhnlich. Normaler Weise halten Bischöfe auf solchen Abbildungen die rechte Hand mit 2 Fingern zur Schwurhand erhoben; in der linken Hand den Bischofsstab. Meistens ist in der Umschrift ein Kreuz enthalten (zum Vergleich im Anhang meiner Mail das Siegel vom Bischof BERNO). Es mag sich vielleicht bei Ihrer Person um eine rangniedere nach dem Bischof, einen Kirchenstifter oder ähnliches handeln; eventuell ein Heiliger. Ich bedaure sehr, Ihnen keine besseren Nachrichten übermitteln zu können. Vielleicht ergibt sich aus dem Studium der Ortsgeschichte doch noch einen Hinweis auf die möglicherweise dargestellte Person“.

Reise in die Vergangenheit - 4. und letzter Teil.

„Kommissar ZUFALL“ ein unsichtbarer und immer gern gesehener Mitarbeiter bei der Polizei. Plötzlich und unerwartet, aber immer herzlich willkommen, „ taucht er auf „ und das nicht nur bei Behörden, sondern auch bei allerlei Anlässen des täglichen Lebens. So auch im Archiv der Gemeinde. Auf der Suche nach einer Lösung zum unbekannten Siegel gab es bis jetzt noch „ keine heiße Spur“. Ein gewisser Trend in die kirchliche Richtung zeichnete sich schon ab. So nahm ich mir zur Bearbeitung das nächste Dokument im Archiv die PFARR-Chronik der evangelischen Kirche zu Kirberg vor. Bei der Durchsicht und dem Studieren dieser Chronik fand sich auf Seite 26 folgender Eintrag vom Dekan Christian Daniel Vogel: (Anmerkung: Christian Daniel Vogel war Dekan in Kirberg von 1831 bis 1852. In dieser Zeit gewährte man ihm Zugriff auf die Archive von Idstein und Dillenburg. Er nutzte diese Gelegenheit zur Abschrift der Kirberger Urkunden und Dokumente) „ Reynard, Pfarrer der Kirche zu Honstat ( Hahnstätten ), schenkte dem Kloster Eberbach seine Güter zu Hattenheim …. Zeugen: unter anderem Decan W. aus Kircdorf Siegler: auf Bitten des Pfarrer Reynard, der kein Siegel hat, siegelten: * Graf Heinrich von Diez * das Kapitel vom Kloster Eberbach * das Kapitel des Ausst. von Kircdorf Hurra – „Kommissar Zufall ist im Archiv in der Pfarr-Chronik tätig“. Jetzt brauch ich nur noch das passende Siegel von der Schenkungsurkunde als letzten Beweis. Im Hauptstaatsarchiv Wiesbaden werde ich fündig. Es ist die Urkunde HHStAW_22_U56 mit 3 Siegeln, u. a. das Siegel vom Decan aus Kircdorf. Wiesbaden wird gebeten die Urkunde bzw. das Siegel zu fotografieren und dem Archiv Kirberg zuzusenden. Das Siegel liegt uns nun vor. Zum Vergleich die beiden Siegel ( Unbekannt und aus dem Staatsarchiv ). Das Siegel aus dem Staatsarchiv wurde in einer sehr hohen Auflösung fotografiert. Somit ist ein vielfaches Hinein zoomen möglich, um auch feinste Nuancen zu erkennen. Datum / Material Das Siegel ist aus dem Jahre 1217 (genaues Datum ist nicht bekannt). Es besteht aus Hartwachs und hat eine Größe von ca. 4 cm Länge. Beschreibung Umschrift linksseitig: K I R C D O R F Umschrift rechtsseitig: + S. W. DECAN Erklärung – ein Kreuz an der oberen Spitze - gefolgt vom S für Sigillum - W. Name des Dekan - DECAN – Titel der Person Siegelfeld * geistliche Person mit Umhang zur Mitte gerafft * um den Hals hängend das Kreuz Christi * barfüßig in Sandalen * in der rechten Hand ein mehrstufiges Zepter mit einem aufgesetzten christlichen Kreuz * linke Hand zur Schwurhand erhoben Ich glaube ohne Übertreibung behaupten zu können, das unbekannte Siegel ist das vorliegende Siegel aus dem Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden. In diesem Sinne Lothar
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Vor der evangelischen Kirche versorgten fleißige Helfer die Besucher mit Kaffee, Kuchen und Bratwurst.
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Die immer wiederkehrende Arbeit im Archiv ist das Sichten des Dokumentes, gefolgt vom Durchlesen des Textes, Zuordnen nach der Archivsystematik in Kategorien und dann Ablegen in dem entsprechenden Karton zur späteren Wiederfindung. Eigentlich nichts Ungewöhnliches oder besonders Anspruchsvolles – meint man. Doch da - eine DIN-A-4-große Fotokopie eines Stempels oder Siegels. Auf dem Blatt sind keine weiteren Angaben zu finden. Kein Hinweis auf die Quelle, die Herkunft oder etwa die Darstellung. Auch rückseitig kein Vermerk. In den Schriftstücken davor und danach auch keine Aufzeichnung bzw. kein Bezug zum Motiv und Text. Die Spurensuche beginnt. Zum besseren Verständnis hier nun die Abbildung des Unbekannten. Die Inschrift linksseitig: K I R C D O R F kann man noch gut lesen. Dabei fällt sofort auf, dass der Buchstabe „ H „ fehlt. Ein Versehen oder vielleicht doch so richtig? Der andere Schriftzug lässt nur Vermutungen zu. Ist das der Buchstabe „X“ oder doch ein „Y“. Es könnte auch ein „Z“ sein. Fragen, Fragen ohne Antworten. Die Schriftfragmente sind durchsetzt mit vielen Punkten, lassen eine schnelle, korrekte und sinnvolle Deutung nicht zu. Befassen wir uns also mit der Person. Eventuell lassen sich da Rückschlüsse von der Person auf den Text schließen und umgekehrt. Was stellt die Person eigentlich dar – eine weltliche oder christliche Person? Nach der Kleidung könnte es eine christliche Person in Form eines Pfarrers sein. Doch passen der Hut / Zylinder und die Gegenstände in den Händen nicht so wirklich dazu. Ein Pfarrer mit einem Knochen – undenkbar und wahrhaftig kein christliches Motiv. In der anderen Hand ein Pfeil oder Griffel oder Malstift oder? Es hilft nicht richtig weiter. Ich komme zum Entschluss – ohne Verständnis der Inschrift ist die Figur kaum zu interpretieren, doch ohne die Figur wird sich die Inschrift wohl nicht entziffern lassen. Ein Teufelskreis!

Reise in die Vergangenheit - Teil 2

In der 8. Ausgabe des Mitteilungsblattes Hünfelden baten wir vom Archiv die Leser um Mithilfe bei der Klärung eines unbekannten Siegels. Unklar ist die 2. Inschrift auf der rechten Seite sowie die Darstellung der Person in der Mitte mit den beiden Gegenständen in den Händen. Hier nun die Hinweise der Leser: zur 2. Inschrift: WIENFRIT - WIEGAMT - WDE???T - WDEG??AT - WBE??IT zur Person: Pfarrer - Totengräber - heilige Person - Bestatter zur Kopfbedeckung: es muß nicht zwingend ein Hut oder Zylinder sein. Möglich wäre auch die Durchführung des Siegelbandes oberhalb des Kopfes und Wiederaustritt am oberen Ende des Siegels zur deren Stabilisierung (kein Verrutschen). zum Griffel: eventuell ein Zepter mit Kreuz zum Knochen: möglicherweise ein Kelch Zusammenfassung: Da nicht bekannt und gesichert ist, wie präzise die Kopie vom Original wiedergegeben wurde, sind grobe Ungenauigkeiten bei der Darstellung vorhanden. Auf Wusch wird das unbekannte Siegel nochmals abgebildet. Wir sind auch weiterhin für jeden Hinweis dankbar und freuen uns auf jede Zuschrift. Unabhängig davon kontaktierte ich den freischaffenden Historiker Jan H. Sacher von der Zeitschrift „Karfunkel“ Erlebbares Mittelalter. Von ihm folgendes zur 2. Inschrift: Da nicht einmal fest steht, ob es sich um einen Namen, ein Wort (Deutsch oder Latein?), mehrere Worte oder nur um Abkürzungen bzw. Akronyme handelt, sind diese Überreste kaum verlässlich zu interpretieren. Sollte es sich beim 2. Buchstaben z.B. um ein „D" handeln, wäre „DEO" denkbar. 3 und 4 könnten aber auch „EC" für ecclesia = Kirche darstellen. Ich lasse die 2. Inschrift erst einmal „ruhen“ und wende mich der Inschrift „Kircdorf“ zu. Nach langen Recherchen im Internet und im Staatsarchiv finde ich dann doch genaue Angaben zum Ort. Die Schreibweise „KIRCDORF“ ohne „H“ war eine alte Ortsbezeichnung vom Jahre 1217 bis 1283. Von 1283 bis 1355 (Stadtgründung) änderte sich der Name Kircdorf jetzt in das „K I R C H D O R F“ mit einem „H“. Aus Kirchdorf entstand nach der Stadtgründung der Name Kirburg, das spätere Kirberg. Die Inschrift linkseitig ist damit schon mal geklärt. Das ergibt jedoch noch keinen Hinweis auf die Person oder den Schriftzug rechts. Sollte es sich bei der Figur um eine weltliche Person handeln, wäre ein Handwerk oder eine Zunft möglich. Die Motive in den Händen lassen auf einen Totengräber schließen. Dieser Beruf war aber im frühen Mittelalter und danach ein unehrenhafter Beruf und in der Gesellschaft nicht angesehen. Bei Handwerkersiegeln werden i.d.R. keine Personen dargestellt, sondern nur Werkzeuge oder Symbole. Der Handwerker hatte neben dem Siegel sein Zunftzeichen in Form eines Handwerkermotives. Personen wurden im Zunftzeichen nicht abgebildet. Damit scheidet ein Handwerker oder Handwerk aus. Beispiel für ein Zunft- oder Handwerkerzeichen (hier: Schumacher mit Symbol Stiefel und Halbmondmesser). Andere weltliche Person wie Könige, Grafen, Landesherren usw. besaßen zwar ein Siegel. Dieses beinhaltete in der Regel ihr Wappen und den Namen sowie den Titel, jedoch nicht die Abbildung einer Person. Die Person in der Fotokopie sieht auch wirklich nicht wie ein Angehöriger einer angesehenen Adelsfamilie aus Bleibt also nur die christliche Variante übrig.

Reise in die Vergangenheit - Teil 3

Zum Bericht Teil 2 im Mitteilungsblatt der Gemeinde Hünfelden kamen wieder Mails mit Tipps und Info's zum unbekannten Siegel. Desweiteren gab es aufschlussreiche Gespräche interressierter Bürgerinnen und Bürger beim Höfe-Flohmarkt am Sonntag den 17. April. „Durchschlagende“ Hinweise mit dem letztendlich die zweite Inschrift und damit das Geheimnis des Siegels gelöst werden konnte, waren in den Mails und bei den Gesprächen leider noch nicht enthalten. Ich gebe die Hoffnung nicht (sie stirbt bekanntlich zu letzt) und forsche erstmal weiter. Nach Recherche zur * Inschrift KIRCDORF und * der Person mit seinen Attributen in der Hand komme ich vielleicht mit der Nachforschung * zum Siegel selbst * über die Siegellehre, * der Siegelkunde und * die Berechtigung der Siegelführung weiter – und „mache“ mich an die Arbeit. Hier das Ergebnis. Das Siegel gleicht in seiner Form dem typischen Kirchensiegel einer kirchlich höher gestellten Person des frühen Mittelalters. Die ovale Form, die Art des Gewandes sowie die Abbildung der Attribute (in den Händen haltend) bestätigen diesen Eindruck. Beim historischen Verein für Archifakte, der sich unter anderem auch mit altertümlichen Siegeln befasst, konnte ich einen Kontakt zu einem freischaffenden Historiker herstellen. Er antwortete mir schriftlich: „Das ovale Motiv mit seinen abgerundeten Ecken an den Enden des Siegels ähnelt typischen Bischofssiegeln, insbesondere des 12. bis 13. Jahrhundert, doch erscheint die Kopfbedeckung ein wenig ungewöhnlich. Normaler Weise halten Bischöfe auf solchen Abbildungen die rechte Hand mit 2 Fingern zur Schwurhand erhoben; in der linken Hand den Bischofsstab. Meistens ist in der Umschrift ein Kreuz enthalten (zum Vergleich im Anhang meiner Mail das Siegel vom Bischof BERNO). Es mag sich vielleicht bei Ihrer Person um eine rangniedere nach dem Bischof, einen Kirchenstifter oder ähnliches handeln; eventuell ein Heiliger. Ich bedaure sehr, Ihnen keine besseren Nachrichten übermitteln zu können. Vielleicht ergibt sich aus dem Studium der Ortsgeschichte doch noch einen Hinweis auf die möglicherweise dargestellte Person“.

Reise in die Vergangenheit - 4. und

letzter Teil.

„Kommissar ZUFALL“ ein unsichtbarer und immer gern gesehener Mitarbeiter bei der Polizei. Plötzlich und unerwartet, aber immer herzlich willkommen, „taucht er auf“ und das nicht nur bei Behörden, sondern auch bei allerlei Anlässen des täglichen Lebens. So auch im Archiv der Gemeinde. Auf der Suche nach einer Lösung zum unbekannten Siegel gab es bis jetzt noch „keine heiße Spur“. Ein gewisser Trend in die kirchliche Richtung zeichnete sich schon ab. So nahm ich mir zur Bearbeitung das nächste Dokument im Archiv die PFARR-Chronik der evangelischen Kirche zu Kirberg vor. Bei der Durchsicht und dem Studieren dieser Chronik fand sich auf Seite 26 folgender Eintrag vom Dekan Christian Daniel Vogel: (Anmerkung: Christian Daniel Vogel war Dekan in Kirberg von 1831 bis 1852. In dieser Zeit gewährte man ihm Zugriff auf die Archive von Idstein und Dillenburg. Er nutzte diese Gelegenheit zur Abschrift der Kirberger Urkunden und Dokumente) „ Reynard, Pfarrer der Kirche zu Honstat ( Hahnstätten ), schenkte dem Kloster Eberbach seine Güter zu Hattenheim …. Zeugen: unter anderem Decan W. aus Kircdorf Siegler: auf Bitten des Pfarrer Reynard, der kein Siegel hat, siegelten: * Graf Heinrich von Diez * das Kapitel vom Kloster Eberbach * das Kapitel des Ausst. von Kircdorf Hurra – „Kommissar Zufall ist im Archiv in der Pfarr-Chronik tätig“. Jetzt brauch ich nur noch das passende Siegel von der Schenkungsurkunde als letzten Beweis. Im Hauptstaatsarchiv Wiesbaden werde ich fündig. Es ist die Urkunde HHStAW_22_U56 mit 3 Siegeln, u. a. das Siegel vom Decan aus Kircdorf. Wiesbaden wird gebeten die Urkunde bzw. das Siegel zu fotografieren und dem Archiv Kirberg zuzusenden. Das Siegel liegt uns nun vor. Zum Vergleich die beiden Siegel (Unbekannt und aus dem Staatsarchiv). Das Siegel aus dem Staatsarchiv wurde in einer sehr hohen Auflösung fotografiert. Somit ist ein vielfaches Hinein zoomen möglich, um auch feinste Nuancen zu erkennen. Datum / Material Das Siegel ist aus dem Jahre 1217 (genaues Datum ist nicht bekannt). Es besteht aus Hartwachs und hat eine Größe von ca. 4 cm Länge. Beschreibung Umschrift linksseitig: K I R C D O R F Umschrift rechtsseitig: + S. W. DECAN Erklärung – ein Kreuz an der oberen Spitze - gefolgt vom S für Sigillum - W. Name des Dekan - DECAN – Titel der Person Siegelfeld * geistliche Person mit Umhang zur Mitte gerafft * um den Hals hängend das Kreuz Christi * barfüßig in Sandalen * in der rechten Hand ein mehrstufiges Zepter mit einem aufgesetzten christlichen Kreuz * linke Hand zur Schwurhand erhoben Ich glaube ohne Übertreibung behaupten zu können, das unbekannte Siegel ist das vorliegende Siegel aus dem Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden. In diesem Sinne Lothar
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